PLATON

(427, Athen – 347 vor Christus, Athen)

Zitiert aus verschiedenen Philosophiegeschichtsbüchern:

Biografie

Platon wurde um 428/427 v. Chr. in den ersten Jahren des Peloponnesischen Krieges (431–404 v. Chr.) geboren, des Krieges zwischen Sparta und Athen um die Vorherrschaft in Griechenland. Der Peloponnesische Krieg trug zum Zerfall traditioneller altgriechischer Wertvorstellungen und zur Krise der griechischen Polis bei. Unter den Dreißig Tyrannen, die in den Jahren 404/403 v. Chr. infolge des Krieges für kurze Zeit über Athen herrschten, befanden sich auch Verwandte und Freunde Platons. Platon entstammte der traditionellen politischen Elite Athens, deren Vormachtstellung jedoch im 5. vorchristlichen Jahrhundert durch die Reformen des athenischen Staatsmannes Perikles erheblich geschwächt worden war. Perikles hatte die athenische Demokratie weiterentwickelt und den politischen Einfluss der Aristokratie eingeschränkt. Im Peloponnesischen Krieg, der 431 v. Chr., also einige Jahre vor Platons Geburt, begann, verlor Athen schließlich seine politische Vorrangstellung innerhalb Griechenlands an den Rivalen Sparta. In die folgenden politischen Umbrüche war Platons Familie eng verstrickt. Die alten Oligarchen der Stadt hatten eine ausgeprägt antidemokratische Haltung bewahrt und während des Krieges mit dem autoritären Militärstaat Sparta sympathisiert. Nachdem die Spartaner im Jahr 404 v. Chr. die athenische Demokratie beseitigt hatten, setzten sie ein Marionettenregime ein, das mit Angehörigen der alten athenischen Oberschicht besetzt war. Zu diesen gehörten auch Charmides und Kritias, zwei Onkel Platons mütterlicherseits. Das Regime der Dreißig Tyrannen errichtete eine Willkürherrschaft, die jedoch bereits 403 v. Chr. von den Demokraten gestürzt wurde. Diese politischen Erfahrungen sowie Platons Nähe zu dem später zum Tode verurteilten Sokrates erschwerten ihm eine politische Laufbahn erheblich.

Platon hieß ursprünglich Aristokles, benannt nach seinem Großvater. Den Namen Platon erhielt er vermutlich später aufgrund seiner breiten Stirn. Er stammte aus einer vornehmen, aristokratischen Familie. Zunächst widmete er sich der Dichtkunst und besuchte als junger Mann die Lehrveranstaltungen bekannter Sophisten wie Gorgias und Protagoras. Im Alter von etwa zwanzig Jahren wurde er Schüler des Sokrates und blieb diesem rund acht Jahre lang eng verbunden. Die Hinrichtung seines Lehrers stellte für Platon ein prägendes Erlebnis dar und verstärkte seine kritische Haltung gegenüber der athenischen Politik. Nach dem Tod des Sokrates zog sich Platon aus dem öffentlichen Leben zurück und unternahm eine längere Bildungsreise. Zunächst hielt er sich für mehrere Jahre in Megara auf, wo auch Euklid, ein weiterer Schüler des Sokrates, lebte. Weitere Reisen führten ihn nach Kyrene, Tarent und Ägypten. In dieser Zeit begann Platon, philosophische Dialoge zu verfassen, in denen Sokrates häufig als Hauptsprecher auftritt. In den frühen Dialogen gibt Platon dabei noch weitgehend die Gedanken des historischen Sokrates wieder. Eine der bekanntesten dieser frühen Schriften ist die Apologie, die die Verteidigungsrede des Sokrates vor Gericht wiedergibt und zugleich Rückschlüsse auf Platons kritische Haltung gegenüber der athenischen Demokratie erlaubt.

Eine besonders prägende Erfahrung machte Platon während seines Aufenthalts in Syrakus auf Sizilien, einer bedeutenden griechischen Kolonie, die er im Jahr 389 v. Chr. erreichte. Dort herrschte Dionysios I., der Ältere, der die Demokratie abgeschafft und einen autoritären Militärstaat etabliert hatte, der enge Beziehungen zu Sparta unterhielt. Platon hoffte, den Herrscher für seine philosophischen Vorstellungen zu gewinnen und Einfluss auf die Gestaltung des Staates nehmen zu können. Dionysios zeigte sich nach außen hin an philosophischen Fragen interessiert; antiken Berichten zufolge soll er seinen Töchtern die Namen „Tugend“, „Gerechtigkeit“ und „Besonnenheit“ gegeben haben. Platon hielt sich etwa zwei Jahre am Hof von Syrakus auf, musste jedoch feststellen, dass das tatsächliche Hofleben in starkem Gegensatz zu den philosophischen Idealen des Herrschers stand. In seinen Briefen berichtet er von ausschweifenden Festen und mangelnder Selbstdisziplin. Seine Versuche, Dionysios zu einer ethisch begründeten Herrschaft zu bewegen, blieben erfolglos. Während der Tyrann dem Philosophen mit wachsender Ablehnung begegnete, kritisierte Platon das politische System offen als Tyrannis. Schließlich trennten sich ihre Wege. Der Überlieferung nach wurde Platon daraufhin gefangen genommen und auf einem Sklavenmarkt verkauft, jedoch von einem Bewunderer freigekauft.

Nach seiner Rückkehr nach Athen gründete Platon im Jahr 387 v. Chr. im Alter von etwa vierzig Jahren eine Schule, die Akademie. Sie gilt als die erste dauerhaft bestehende philosophische Lehranstalt Europas. Ihren Namen erhielt sie von dem Ort, an dem sie lag, einem dem Heros Akademos geweihten Hain. Die Akademie war nicht nur Lehr-, sondern auch Forschungsstätte. Die Ausbildung diente neben der theoretischen Bildung auch praktischen Zielen, insbesondere der Vorbereitung auf politische Aufgaben. Eine zentrale Rolle spielte dabei die Mathematik; der Überlieferung zufolge soll über dem Eingang der Akademie gestanden haben: „Kein geometrisch Ungebildeter trete hier ein.“ Die Akademie bestand nahezu ein Jahrtausend, bis sie im Jahr 529 n. Chr. unter Kaiser Justinian geschlossen wurde. Platon lehrte dort etwa zwanzig Jahre lang. Der Großteil seiner insgesamt einundvierzig Schriften entstand in dieser Zeit. Mit Ausnahme der Apologie und der ihm zugeschriebenen Briefe, von denen nur der siebte allgemein als authentisch gilt, sind seine Werke in Dialogform verfasst. In fast allen Dialogen, mit Ausnahme der Nomoi (Gesetze), tritt Sokrates als Gesprächspartner auf. Die Dialoge stellen zumeist fiktive Gespräche über philosophische Grundfragen dar.

Im Alter von etwa sechzig Jahren unternahm Platon noch zwei weitere Reisen nach Sizilien. Auf Betreiben seines Freundes Dion versuchte er dort, den neuen Herrscher von Syrakus, Dionysios II., für die Idee eines Philosophenkönigtums zu gewinnen. Auch dieses Vorhaben blieb erfolglos, und Platon konnte nur mit Mühe nach Athen zurückkehren. Die letzten Jahre seines Lebens, er wurde etwa einundachtzig Jahre alt, verbrachte er zurückgezogen mit Lehrtätigkeit und philosophischer Arbeit in der Akademie. Einer Überlieferung zufolge soll Platon während einer Hochzeitsfeier eines seiner Schüler friedlich eingeschlafen und verstorben sein.

Philosophie

Platons Bestreben als Philosoph war zunächst, die Sophisten zu bekämpfen und zu überwinden. Protagoras’ These, dass es keinen allgemeinen Maßstab gebe und der Mensch das Maß aller Dinge sei, hielt er für falsch und verderblich, weil sie die Grundlagen der Sittlichkeit zerstöre. Sophisten und Rhetoren sehen nur das, was die Menschen gern möchten. Sie verführen mit schönem Schein und schmeicheln mit schönen Worten, wissen aber nichts von dem, was der Mensch eigentlich ist und was er sein soll.

Die platonische Akademie entspricht nicht unserer Vorstellung von einer Universität, in der das eigentliche Gewicht allein auf der theoretisch-intellektuellen Ausbildung liegt, während Menschenformung und -führung in den Hintergrund treten. Gerade Letzteres hat die Akademie gepflegt. In der Antike ist Philosophie keine lebensfremde Angelegenheit bloßer Gelehrtenstuben, sondern stets positive Wirklichkeitsgestaltung.

Platons Philosophie setzt dort an, wo Sokrates aufhört, nämlich bei der Frage nach dem Wesen des Guten. Die Erklärung, die Sokrates hinterlassen hatte, lautete: Sei weise, dann bist du gut. Ist das Gute vielleicht mit der Lust identisch? Darum muss die Lust, sofern sie in unserem Leben einen Platz finden soll, geordnet und beherrscht werden durch Maß, Richtigkeit, Vernunft und Einsicht. Nicht das, was Lust bringt, ist gut, sondern das, was gut ist, bringt Lust. Das Gute wird bei uns Menschen weithin vom Übel überwogen.

Platons Philosophie baut auf dem Unterschied zwischen Wirklichkeit und Erscheinung auf.

Berühmt ist Platons Ideenlehre, das Kernstück seiner Philosophie. Die höchste Idee ist die Idee des Guten. Sie ist die Ursache aller Erkenntnis und Wahrheit und steht daher noch höher als alle Erkenntnis und alle Wahrheit. So bewirkt die Idee des Guten mehr als nur die Erkennbarkeit der Ideen: Sie ist Ursache des Seins und des Gutseins aller Ideen. Sie ragt an Würde und Kraft noch über das Sein hinaus. Sie ist der göttlich-schöpferische Urgrund allen Seins und allen Erkennens. Wie die Sonne im Reich des Sichtbaren allen Dingen Sein, Leben und Erkennbarkeit verleiht, so verleiht die Idee der Ideen im Reich des Unsichtbaren allem Seienden Wesen und Erkennbarkeit.

Die Ideen bilden eine Welt für sich. Hier gibt es kein Werden und Vergehen, nichts Zufälliges, nichts Sinnliches, nichts Relatives wie in der Welt der sichtbaren, unbeständigen Dinge. Der einzelne Löwe stirbt, aber das Allgemeine, die Idee des Löwen, wird davon nicht berührt; sie ist ewig. Darüber hinaus würde die sichtbare Welt ohne die Welt der Ideen gar nicht existieren, denn die Ideen sind die unwandelbaren Urbilder, die wahrnehmbaren Dinge nur ihre flüchtigen, unzulänglichen Abbilder. Je größer die Teilhabe (Methexis) der Dinge an den Ideen ist, je mehr sie die Ideen nachahmen, desto schöner und besser sind sie. Es gilt der Primat der Idee gegenüber der Sinnlichkeit.

Erhebt sich der Mensch in seinem Erkennen nicht zu den Ideen, sondern bleibt er der sinnlichen Anschauung verhaftet, so ist sein Erkennen nicht Wissen, sondern bloße Meinung. Denn wenn das Erkennen bei der Sinnenwelt stehen bleibt, hat man es mit dem Reich des Veränderlichen zu tun und kann niemals zu wirklichem Wissen gelangen, da es hier keine ewig gleichbleibenden Wahrheiten geben kann: das Schöne an sich, das Gute an sich, die Gesundheit an sich, die Stärke an sich, das Gleiche, das Große und das Kleine an sich – überhaupt jede Wesenheit. Diesen Gegenständen kommt es zu, niemals, in keiner Weise, auch nur die geringste Veränderung zu erleiden.

Die Idee hat eine doppelte Bedeutung: einmal ist sie Gedanke (subjektive Idee), zum anderen ist sie der Gegenstand des Denkens (objektive Idee). Die materielle Welt lebt nur von der Gnade der Idee. Die Ideenwelt ist die stärkere Wirklichkeit. Darum unterscheidet Platon die Ideenwelt von der sichtbaren Welt und erblickt nur in jener die wahre und eigentliche Welt, in dieser aber bloß ein Abbild, das zwischen Sein und Nichtsein steht.

Die Ideenlehre ist auf das gesamte Reich des Seins ausgedehnt, auch auf Natur und Kunst. Aristoteles behauptet, dass bei Platon die Ideen von den Sinnendingen durch eine Kluft (Chorismos) getrennt seien. Die Sinnendinge stünden neben und außerhalb der Ideen; dadurch sei die Welt zerrissen worden. Die Ideen schwebten gleichsam über der Welt. Für Platon jedoch ist die Ideenwelt das allein wahrhaft Seiende, während die Sinnenwelt nur Schein ist, ein Mittleres zwischen Sein und Nichtsein.

Eine Anekdote berichtet von einer Begegnung Platons mit Diogenes von Sinope:
Als Platon von einer „Tischheit“ und einer „Becherheit“ sprach, sagte Diogenes:
„Was mich anlangt, Platon, so sehe ich wohl einen Tisch und einen Becher, aber eine Tischheit und eine Becherheit sehe ich niemals.“
Darauf Platon:
„Sehr begreiflich: Denn Augen, mit denen man Tisch und Becher sieht, hast du; aber den Verstand, mit dem man Tischheit und Becherheit erschaut, hast du nicht.“

Was ist die Löwenheit? Allen diesen Allgemeinbegriffen erkennt Platon ein selbstständiges Sein außerhalb unseres Denkens zu und nennt sie Ideen.

Die Idee ist allgemeiner Begriff und zugleich Wesenheit. Darum ist die Idee gleichbedeutend mit Ideal oder Urbild. Die Ideen bilden eine neue Art von Ursache. Die ganze Welt ist ein Abbild. Alles Seiende hat einen Sinn, durch den es auf etwas Übergeordnetes hin bezogen ist. Es gibt ein Streben und Sehnen nach dem Höheren in der Welt. Der Baum will so sehr wie möglich Baum sein, der Mensch so sehr wie möglich Mensch, die Gerechtigkeit so sehr wie möglich Gerechtigkeit. Alles strebt danach, im Dasein seine eigentümliche Idee zu verwirklichen.

So gewinnt Platon ein lebendiges Bild von der Welt als Ort eines unablässigen Dranges zur Vollkommenheit, eines Eros zur Idee. Das Vergängliche strebt nach dem Ewigen – das ist für Platon das Geheimnis der Wirklichkeit.

Platon legt dar, dass keine sprachliche oder schriftliche Fixierung die Gewähr bietet, wirkliche Einsicht unverfälscht zu vermitteln, da sie stets dem Missverständnis und der Verdrehung ausgesetzt ist.


Der echte Philosoph wird sich nur für das eine ideale Bett interessieren, nicht für die vielen Betten der sinnlich wahrnehmbaren Welt. Den gewöhnlichen irdischen Dingen gegenüber wird er sich ziemlich gleichgültig zeigen. Der Jüngling, der sich zum Philosophen eignet, wird sich von seinen Kameraden durch sein gerechtes und vornehmes Wesen, durch seinen Wissensdurst, sein gutes Gedächtnis und die natürliche Ausgeglichenheit seines Gemüts unterscheiden. Ein solcher Jüngling soll zum Philosophen und Wächter herangebildet werden. Unter Weisen wirkt der Philosoph nicht töricht; nur unter Toren gilt der Weise als jeder Weisheit bar. Was wie plötzliche Einsicht erscheint, kann irreführend sein und muss nüchtern überprüft werden, wenn der göttliche Rausch verflogen ist.

Zunächst wird die Welt des Intellekts von der Welt der Sinne geschieden. Die beiden Arten des Intellekts werden „Vernunft“ und „Verstand“ genannt. Die Vernunft steht höher als der Verstand; der Verstand ist der Vernunft dadurch unterlegen, dass er von Hypothesen ausgeht, die er nicht zu begründen vermag. Die Mathematik kann uns nie sagen, was ist, sondern nur, was wäre, wenn … Auch die Geometrie gehört daher noch in das Studiengebiet der Erscheinungen.

Das Sehen, sagt Platon, unterscheidet sich von den anderen Sinneswahrnehmungen insofern, als dazu nicht nur das Auge und der Gegenstand erforderlich sind, sondern auch das Licht. So entspricht die Ideenwelt dem, was wir sehen, wenn der Gegenstand von der Sonne beleuchtet wird, während die Welt des Vergänglichen eine unklare Zwielichtwelt ist. Das Auge ist mit der Seele zu vergleichen und die Sonne, als Lichtquelle, mit der Wahrheit oder dem Guten.

Der Mensch strebt vom Sinnlichen zum Geistigen; dieses Streben nennt Platon „Eros“. Der höchste erotische Zustand der Seele aber ist die Schau der Vollkommenheit des Schönen selbst: die philosophische Erkenntnis der Idee des Guten.

Es ist die erste Aufgabe des Philosophen, den Menschen von der Welt des Scheins und der Bilder zu befreien und ihn zum wahren Sein hinzuführen.

Einzelne Dinge tragen stets etwas von ihrem Gegenteil in sich: Was schön ist, ist in gewisser Hinsicht auch hässlich; was recht ist, ist in mancher Beziehung auch unrecht und so fort. Alle konkreten, wahrnehmbaren Objekte besitzen nach Platon solche einander widersprechenden Eigenschaften; sie stehen somit zwischen Sein und Nichtsein und sind geeignete Objekte der Meinung, nicht aber der Erkenntnis. So kommen wir zu dem Schluss, dass die Meinung zur sinnlichen, die Erkenntnis hingegen zu einer übersinnlichen, ewigen Welt gehört: Die Meinung befasst sich mit einzelnen schönen Dingen, die Erkenntnis aber mit der Schönheit selbst.

Es gibt wirklich, wie Parmenides darlegt, keine Idee für sich allein, ebenso wenig wie eine einzelne Zahl etwas wäre ohne ihre Stellung im Ganzen der Zahlenreihe.

Gott hat nicht alles, sondern nur das Gute geschaffen. Letztlich gibt es nur Gott oder das Gute, dessen Attribute die Ideen sind. So könnte man Platon auslegen.

Aristoteles meinte, für Platon seien die Ideen dasselbe gewesen wie für Pythagoras die Zahlen.

Die Mathematik war auch für Platon die höchste Form der Philosophie. Deshalb schrieb er wohl über das Tor seiner Akademie die Worte: „Kein der Geometrie Unkundiger wage hier einzutreten.“ Die ganze Naturwissenschaft rechnet mit Durchschnittswerten.

Es ist sinnvoll, von einem Vielen zu sprechen, weil neben dem Allgemeinen auch das Besondere auftritt. Nicht ein Entweder-oder ist das Richtige, sondern ein Sowohl-als-auch. Jede Partei hat etwas Wahres gesehen: Es gibt beides, Eines und Vieles, Identisches und Verschiedenes, Seiendes und Nichtseiendes. Der Schlüssel, der diese Gegensätze überbrückende Synthese ermöglicht, ist der Teilhabegedanke. Er sieht das Identische, ohne das Verschiedene zu übersehen.

Platon erklärt alles Niedere vom Höheren her, nicht umgekehrt.

Eine allgemeingültige Bestimmung irgendeines sinnlichen Gegenstandes ist unmöglich, da dieser sich ständig verändert.

Aristoteles berichtet mehrfach ausdrücklich, dass für Platon die Ideen Zahlen gewesen seien. Platon hat sich tatsächlich in den Spätdialogen, besonders aber in der uns verlorenen Altersvorlesung „Über das Gute“, intensiv mit dem Verhältnis von Zahl und Idee befasst. Jeder Idee entspreche ein bestimmter Zahlenwert.

Unwissenheit ist die eigentliche Krankheit der Seele. Der Leib ist das Grab der Seele.

Wenn sich alle Dinge fortwährend verändern, wie Heraklit gezeigt hatte, dann ist es unmöglich, etwas Bestimmtes über sie auszusagen. Platon war beeindruckt von Parmenides’ Lehre einer unveränderlichen, vollkommenen Welt hinter der Welt der Erscheinungen. Von Parmenides übernahm er die Überzeugung, dass die Wirklichkeit ewig und zeitlos sei und dass aus logischen Gründen jeder Wandel Täuschung sein müsse. Von Heraklit entlehnte er die negative Doktrin, dass es in der sinnlich wahrnehmbaren Welt nichts Bleibendes gebe. In Verbindung mit der Lehre des Parmenides führte ihn diese Auffassung zu der Überzeugung, dass Erkenntnis nicht durch die Sinne, sondern nur mit Hilfe des Intellekts gewonnen werden könne. Das Denken ist bei ihm stärker als bei den Vorsokratikern vom Guten beherrscht, was man dem sokratischen Einfluss zuschreiben kann.

Berühmt ist auch sein Höhlengleichnis, das in seinem Hauptwerk „Der Staat“ enthalten ist. Sokrates, dem Platon zunehmend seine eigene Philosophie in den Mund legt, schildert: Von Kindheit an seien Menschen in einer unterirdischen Höhle festgebannt und durch Fesseln daran gehindert, ihren Kopf zu wenden. Hinter ihnen brenne ein Feuer. Zwischen dem Feuer und den Gefesselten verlaufe ein Weg, neben dem sich eine niedrige Mauer erstrecke. Vorbeigehende tragen Statuen und andere Gegenstände, die über die Mauer hinausragen und Schatten werfen. Die Gefangenen halten diese Schatten für die Wirklichkeit. Würde nun einer gezwungen, sich umzuwenden und in das blendende Feuer zu schauen, so wäre dies für ihn schmerzhaft und ginge nicht ohne inneren Widerstand vonstatten.

Der Aufenthalt in der Höhle gleicht unserem Leben in der sichtbaren Welt, dem Leben der Seele im Körper. Innerhalb der materiellen Welt ist unser empirisches Wissen stets nur Meinung.

Die sichtbare Welt ist für Platon nur eine Scheinwelt, ein bloßes Abbild der wahren Welt, die hinter den äußeren Erscheinungen steht. Der Mensch ist zweigeteilt und gehört beiden Welten an: mit seiner Seele der Ideenwelt, mit seinem Leib der Körperwelt. Mit dem Tod wird die Seele vom Leib getrennt. Die Seele ist unsterblich.

In der Antike erhebt sich der Mensch noch nicht so sehr, dass die Welt sich nach ihm richten müsste; vielmehr richtet er sich nach der Welt.

Platon glaubte wie die Pythagoreer an die Seelenwanderung.

Nachdem die Seele aus der Hand des Demiurgen hervorgegangen ist, wird sie in die Zeit verpflanzt und erlebt ihre erste Inkarnation auf der Erde. Diese erste Geburt ist für alle gleich, damit keine Seele benachteiligt werde. Am Ende dieses Lebens erscheint die Seele vor dem Totengericht, um Rechenschaft über ihre Lebensführung abzulegen. Je nach Urteil geht sie in die Gefilde der Seligen ein oder wird auf unterirdische Straforte verwiesen. Tausend Jahre dauert diese Wanderung, dann erfolgt eine neue Geburt. Jede Seele wählt nun selbst ihre künftige Lebensbahn. In dieser Wahl liegt die eigentliche Gefahr für den Menschen. Manche wählen ein scheinbar herrliches Los, etwa eine Tyrannenherrschaft, um später zu erkennen, dass damit grauenvolle Konsequenzen verbunden sind. Dann klagen sie die Gottheit an – doch Gott ist schuldlos; wir selbst erwählen unseren Dämon. Die Tugend ist herrenlos, das heißt, jeder kann sie erwerben. Unterbleibt dies, so siegen Unverstand und Gier. Die meisten wählen gemäß ihren früheren Lebensgewohnheiten.

Darum kommt es darauf an, dass im Leben der Lenker des Seelenwagens – Geist und Vernunft – die Zügel in der Hand behält und alles Irrationale und Emotionale, Gefühle, Stimmungen, Leidenschaften und Begierden, beherrscht.

Platon ist Vertreter der Willensfreiheit und damit ein Mahner zur Verantwortung.

Vor ihrer Geburt hat die Seele den Glanz der Ideen geschaut. Sie besaß bereits Erkenntnis des wahrhaft Seienden. Durch die Geburt wurde dieses Wissen verdrängt und unbewusst. Der leidenschaftlich Philosophierende muss es wieder hervorholen. Die Präexistenz der Seele lässt sich als Schlaf denken, dem ein Erwachen folgt, das wiederum vom Schlaf abgelöst wird – ein endloser Kreislauf, der die Unsterblichkeit begründet.

Von Pythagoras stammen auch die orphischen Elemente: der religiöse Zug, der Glaube an Unsterblichkeit und Jenseitigkeit, der priesterliche Ton, die Hochachtung vor der Mathematik und die enge Verbindung von Intellekt und Mystizismus.

Erkenntnis ist Wiedererinnerung (Anamnesis). Mit Hilfe der Dialektik sucht der Philosoph sich zu erinnern. Dialektik bedeutet bei Platon reines Denken ohne sinnliche Wahrnehmung, eine Wissenschaft der Begriffe und ihrer Beziehungen – Wissenschaft von den Ideen.

Für Platon sind nicht nur die Formen des Erkennens a priori, sondern auch die Inhalte: Das Schöne an sich, das Gute, das Gerechte, das Fromme an sich sind dem Geist von vornherein eigen und werden nicht durch Erfahrung erworben, sondern lediglich erinnert.

Damit sinnliche Wahrnehmung möglich wird, muss die Idee immer schon da sein. Nur durch sie kann Sinnlichkeit gedeutet werden. Kant und Platon arbeiten beide mit apriorischen Faktoren. Bei Kant sind es nur die Formen, bei Platon auch die Inhalte. Kant verbindet Empirismus und Rationalismus, Platon ist reiner Rationalist.

Platon unterscheidet vier Kardinaltugenden: Weisheit, Tapferkeit, Besonnenheit und Gerechtigkeit. Gerecht ist, wer seine eigene Aufgabe erfüllt. Neben Gerechtigkeit zählen Schönheit und Wahrheit zu den höchsten Werten. Die höchste Liebe ist die Liebe zum dauernden Besitz des Guten – das ist die platonische Liebe.

Nicht was man möchte, sondern was man soll, hat zu geschehen.

Der Mensch ist für Platon eine Verbindung von Leib und Seele. Die Seele ist der eigentliche Mensch, der Leib nur ein Schatten. Die Verbindung ist unglücklich: Die Seele ist im Leib gefangen wie in einem Gefängnis. Es gibt zudem eine sterbliche Seele, Sitz der Leidenschaften. Leben und Bewegung machen die Seele zu einem Mittleren zwischen Idee und Sinnlichkeit.

Protagoras sagt: Der Mensch ist das Maß aller Dinge. Platon sagt: Gott ist das Maß aller Dinge.

Lernen ist die Nahrung der Seele.

Platon weiß, dass Wissen allein nicht genügt. Er entscheidet sich für eine harmonische Bildung des ganzen Menschen. Einseitige Bildung schadet. Körper und Seele müssen im Gleichgewicht stehen. In den „Nomoi“ und im „Philebos“ spricht er sich für ein aus Einsicht und Lust gemischtes Leben aus. Doch die Vernunft muss immer die Zügel führen.

Platon prägt ein Menschenbild, das für das abendländisch-christliche Denken maßgebend wurde.

Platon wendet sich gegen den Deismus. Gott lenkt die Welt fortwährend. Man soll darum beten, einsichtig und vernünftig zu leben.

Platon war der Erste, der den Begriff „Theologie“ verwendete.

Nach Platon gibt es zwei höchste geistige Tätigkeiten: Mathematik und mystische Schau.

Die Nachfolger Platons in der Akademie fasst man unter dem Namen „Ältere Akademie“ zusammen: Speusippos, Xenokrates, Polemon und Krates.

A. N. Whitehead sagte: „Die philosophische Tradition Europas besteht aus einer Reihe von Fußnoten zu Platon.“ Platon war Idealist. Seine Lehre machte ihn zu einem Vorläufer des Christentums. Doch fehlen bei ihm die Agape und die politische Freiheit. Nietzsche sagte: „Das Christentum ist Platonismus für das Volk.“



Das Hauptwerk Platons ist die „Politeia“ („Der Staat“).

Der Staat ist die erste uns überlieferte Staatsutopie überhaupt. Platon wollte mit diesem Werk Politik und Moral, Metaphysik und Religion sowie rationale Weltdeutung und Mythos miteinander verknüpfen. Platons Staat tritt mit dem Anspruch auf, die politische Ordnung mit den wahren, ewigen Gesetzen der Wirklichkeit zu verbinden. Ausgangspunkt des Werkes ist die Frage nach der Gerechtigkeit.

Platons bedeutendster Dialog, Der Staat, besteht aus drei Teilen. Der erste beschäftigt sich mit dem Aufbau eines Idealstaates; es handelt sich um die erste bekannte Utopie. Unter anderem kommt Platon hier zu dem Schluss, dass die Herrscher Philosophen sein müssten. Das sechste und siebte Buch dienen der Definition des Begriffs „Philosoph“ und bilden den Inhalt des zweiten Teils.

Im dritten Teil werden hauptsächlich verschiedene bestehende Verfassungen sowie ihre Vorzüge und Nachteile erörtert.

Wie der Untertitel besagt, beabsichtigt Der Staat, die Gerechtigkeit zu definieren.

Dieses Werk befasst sich mit Platons Vorstellungen vom idealen Staat. Es ist ein umfassendes Werk in zehn Büchern über den idealen Staat, in dem die Gerechtigkeit die höchste Glückseligkeit gewährleistet.

Platons Staat ist keine trockene Abhandlung, sondern eine kunstvoll inszenierte Diskussion, in der Platons philosophischer Lehrer Sokrates zu einer literarischen Figur wird und als Erzähler und Hauptsprecher auftritt. Platon zeigt sich hier zugleich als Dichter und Philosoph. Gleich in der ersten Zeile setzt die Stimme des Sokrates ein, und der Leser fühlt sich wie in einen Roman versetzt:
„Ich ging gestern mit Glaukon, dem Sohne des Ariston, in den Peiraieus hinunter, teils um die Göttin anzubeten, dann aber wollte ich auch zugleich das Fest sehen, wie sie es feiern wollten, da sie es jetzt zum erstenmal begehen.“

Platon führt hier Szenerien und Personen ein, die ihm eng vertraut waren. Sokrates hat sich von Athen zu dem mehrere Kilometer entfernten Hafen von Piräus aufgemacht, um das Fest zu Ehren der Göttin Athene mitzuerleben. In seiner Begleitung befindet sich Glaukon, einer der Brüder Platons. Als Sokrates einige Zeit später wieder den Heimweg antreten will, drängen ihn Freunde und Bekannte, darunter Adeimantos, ein weiterer Bruder Platons, und Polemarchos, der Sohn des wohlhabenden Kaufmanns Kephalos, noch in Piräus zu bleiben, gemeinsam mit ihnen zu essen, zu diskutieren und die folgenden nächtlichen Feierlichkeiten mitzuerleben. Im Haus des Kephalos entwickelt sich in der Folge ein Gespräch zwischen Sokrates und wechselnden Diskussionspartnern, in dem Positionen zur Gerechtigkeit ausgetauscht und die Grundzüge einer gerechten gesellschaftlichen Ordnung entworfen werden.

Platon unterscheidet drei Stände: Philosophen, Wächter sowie Bauern und Handwerker. Einzig die Philosophen sind aufgrund ihrer Erkenntnis der Idee des Guten zur Herrschaft bestimmt. Den Wächtern soll die Macht zufallen, da sie die weisesten Mitglieder der Gemeinschaft sind. Eine Ungerechtigkeit läge nach Platons Definition nur dann vor, wenn es in den anderen Ständen Männer gäbe, die weiser wären als irgendein Wächter. Daher sieht Platon ein Hinaufrücken oder Degradieren von Bürgern vor, obwohl seiner Ansicht nach die Kinder der Wächter dank des doppelten Vorteils von Geburt und Erziehung meist den Kindern der anderen überlegen sein werden.

Das Werk enthält zugleich Seinslehre, Erkenntnislehre und Ethik. Das Höhlengleichnis findet sich im siebten Buch, der Schlussmythos über die Schicksale der Seelen nach dem Tod im zehnten Buch. Das erste Buch wird oft als das „Thrasymachos-Buch“ bezeichnet und behandelt die Frage der Gerechtigkeit. Thrasymachos hat tatsächlich gelebt, wie die meisten Personen, die in Platons Dialogen auftreten. Er war ein Sophist aus Chalkedon und ein berühmter Lehrer der Rhetorik. Er kommt auch in der ersten Komödie des Aristophanes vor.

Platon untersuchte zunächst die verschiedenen Staatsformen. In der Oligarchie herrschen die Reichen, während die Armen von der Regierung ausgeschlossen sind. Dies hat zur Folge, dass die Menschen statt nach Weisheit und Gerechtigkeit nur nach Reichtum streben und dass Klassenkampf die Gesellschaft spaltet. In einer Demokratie ist man nicht gezwungen, am Regieren teilzunehmen, zu gehorchen oder im Krieg mitzuwirken – oder Frieden zu halten, wenn man keine Lust dazu hat. Müssen da nicht Zügellosigkeit und allgemeine Auflösung um sich greifen? Das Grundprinzip der athenischen Demokratie, das gleiche Recht aller, Ämter zu bekleiden und die Staatsgeschäfte zu bestimmen, scheint „auf den ersten Blick ein herrlicher Zustand“ zu sein, wird jedoch dadurch katastrophal, dass das Volk nicht ausreichend gebildet ist, um die besten Führer und die weiseste Richtung zu wählen. „Was das Volk betrifft, so hat es keinen Verstand und wiederholt nur, was seine Führer ihm zu sagen belieben.“ Auf die Demokratie folgt als Reaktion auf das Übermaß an Freiheit die Tyrannis, in der ein krasser Egoismus herrscht.

Wie sollte demgegenüber der ideale Staat aussehen? Platon entwirft ein Idealbild. Der Staat muss jedem Kind die gleichen Bildungsmöglichkeiten bieten. Der Unterricht besteht aus Musik und Gymnastik. Beide Begriffe hatten zur damaligen Zeit eine umfassendere Bedeutung als heute: Mit „Musik“ bezeichnete man alles, was zum Bereich der Musen gehörte, und mit „Gymnastik“ alles, was Körpertraining und Ertüchtigung betraf. „Musik“ entspricht nahezu unserem heutigen Begriff von „Kultur“. Würde, Anstand und Mut sollen vor allem durch die Erziehung entwickelt werden.

Homer und Hesiod sind nicht zugelassen, da sich die Götter in ihren Darstellungen gelegentlich schlecht benehmen, was nicht erbaulich ist. Die Jugend muss lernen, dass das Böse niemals von den Göttern kommt, denn Gott ist nicht der Schöpfer aller Dinge, sondern nur der guten. Die Knaben müssen lernen, die Sklaverei mehr zu fürchten als den Tod.

Platon wendet sich auch gegen das Drama. Ein guter Mensch, so sagt er, sollte sich nicht dazu bereitfinden, einen schlechten Menschen darzustellen. Da in den meisten Stücken jedoch auch Schurken vorkommen, müssen Dramatiker und Schauspieler Menschen nachahmen, die Verbrechen begehen. Platon beschließt daher, alle Dichter aus seinem Staat zu verbannen. Auch im Musikunterricht nimmt er Zensuren vor: Die lydische und die ionische Tonart müssen verboten werden, da die erste Trauer ausdrückt und die zweite zu weichlich ist. Nur die dorische (ermutigende) und die phrygische (mäßigende) Tonart sollen zugelassen sein. Erlaubt sind nur einfache Rhythmen als Ausdruck einer mutigen und harmonischen Lebensweise.

Das Körpertraining muss sehr streng sein. Fisch darf überhaupt nicht, Fleisch nur gebraten gegessen werden; Gewürze und Süßigkeiten sind verboten. Menschen, die nach diesen Vorschriften erzogen werden, so Platon, benötigen keinen Arzt. Im zwanzigsten Lebensjahr werden die Besten ausgewählt und weitere zehn Jahre erzogen. Vom zwanzigsten bis zum dreißigsten Lebensjahr müssen sie die vier pythagoreischen Lehrfächer studieren: Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Harmonie. Danach erfolgt eine weitere Auswahl; wer besteht, wird fünf Jahre lang in Philosophie geschult. Anschließend müssen sich die Kandidaten fünfzehn Jahre im praktischen Leben bewähren, um dann mit fünfzig Jahren ohne Wahl in die führenden Stellungen aufzurücken, da die Besten bereits ermittelt sind. Sie werden Philosophenkönige oder königliche Philosophen genannt. Sie haben die Idee des Guten erkannt und als Norm verinnerlicht.

Platon hielt es für ausgeschlossen, dass sich die breite Bevölkerung dieses Wissen aneignen könnte. Seine ideale Verfassung ist daher eine Aristokratie im wörtlichen Sinne: die Herrschaft der Besten. Die Kinder wachsen in Gemeinschaft auf. Dieser vollkommene Kommunismus gilt für die Elite an der Spitze. Platon plädiert für völligen Kommunismus bei den Wächtern und Soldaten. Die breite Masse der Erwerbstätigen darf Privateigentum und private Familien behalten, hat jedoch keinerlei politischen Einfluss.

Die Frauen müssen den Männern in jeder Hinsicht völlig gleichgestellt sein. Die Regenten der Stadt sorgen dafür, dass die besten Eltern die meisten Kinder bekommen. Alle Kinder werden bei der Geburt ihren Eltern weggenommen; sorgfältig ist darauf zu achten, dass Eltern und Kinder einander nicht erkennen. Missgestaltete Kinder sowie Kinder von minderwertigen Eltern werden an einem geheimen Ort verborgen, wie es sich geziemt. Die Mütter sollen zwischen zwanzig und vierzig, die Väter zwischen fünfundzwanzig und fünfundfünfzig Jahre alt sein. Außerhalb dieser Altersgrenzen ist freier Geschlechtsverkehr erlaubt, doch sind in diesem Fall Abtreibung und Kindestötung gesetzliche Pflicht.

Um ein guter Staatsmann zu werden, muss ein Mensch das Gute erkennen; dies ist nur durch geistige und moralische Disziplin möglich. Platon hielt Muße für die unerlässliche Vorbedingung der Weisheit. Muße findet sich nur bei unabhängigen Menschen ohne Existenzsorgen. Derjenige, der an der Spitze des Staates steht, ist der Interpret des an sich Guten; sein Handeln wird allein von Einsicht und Vernunft geleitet. Lügen müssen ein Vorrecht der Regierung sein.

Was beabsichtigt Platon mit seinem Staat zu erreichen? Er zielt auf kriegerische Erfolge gegen annähernd gleich starke Völker sowie auf einen gesicherten Lebensunterhalt für eine kleine Anzahl von Menschen. Höchstwahrscheinlich wird es in diesem Staat aufgrund seiner strengen Grundsätze weder Kunst noch Wissenschaft geben; hierin wird er, wie auch in anderen Punkten, Sparta ähneln. Trotz aller schönen Worte kann nicht mehr erreicht werden als militärische Tüchtigkeit und ausreichende Ernährung.

Weitere Werke:

Frühe Dialoge

Das Thema der Gerechtigkeit taucht in Platons frühen Schriften immer wieder auf. Während die Sophisten betonten, dass es keine Gerechtigkeit „an sich“ gebe, sondern dass sie von Nutzen und Interessen abhängig sei, enthält der Dialog „Gorgias“, benannt nach einem der berühmtesten Sophisten, die These des Sokrates:
„Unrecht leiden ist besser als Unrecht tun.“

Dass Gerechtigkeit etwas ist, das über die Bedürfnisse und Interessen Einzelner hinausgeht, war auch die Überzeugung Platons. Etwa gleichzeitig mit dem Gorgias schrieb Platon einen Dialog, den er nie als eigenständige Schrift veröffentlichte und dem die Fachwelt den Arbeitstitel „Thrasymachos“ gegeben hat. Er schildert die Auseinandersetzung zwischen Sokrates und dem Sophisten Thrasymachos um die Definition von Tugend und Gerechtigkeit. Auch hier wendet sich Platon gegen die Auffassung, Gerechtigkeit könne mit Herrschaftsinteressen identifiziert werden. Thrasymachos vertritt eine typisch sophistische Position: Normen und Werte gelten nicht von Ewigkeit her, sondern sind veränderbar und von Interessen und Konventionen abhängig.

Die „Apologie“ enthält die Verteidigungsrede des Sokrates vor seinen Richtern.

Der „Kriton“ enthält Sokrates’ Argumente gegen eine Flucht aus dem Gefängnis und behandelt die Frage pflichtgemäßen Handelns.

In „Protagoras“ schildert Platon das kulturelle Leben in Athen. Der Dialog setzt sich mit der Sophistik auseinander und diskutiert die Tugend im Allgemeinen: Wie verhalten sich Lust und das Gute zueinander? Besteht Macht oder Ohnmacht der Erkenntnis?

In „Laches“ setzt sich Platon mit der richtigen Erziehung auseinander; außerdem behandelt der Dialog die Tugend der Tapferkeit.


Mittlere Dialoge

Lysis: Der Dialog handelt von der Freundschaft. Wertvoll ist nicht das, was tatsächlich geliebt wird, sondern das, was liebenswert ist.

Kratylos: Enthält Platons Sprachphilosophie.

Euthydem: Enthält die Darstellung sophistisch-trügerischer Schlussfolgerungen; besonders wird Antisthenes verhöhnt.

Menon: Behandelt das Wesen der Tugend, die Frage ihrer Lehrbarkeit sowie die Lehre von der Wiedererinnerung.

Der „Phaidon“ enthält einen Bericht über Sokrates’ letzte Stunden und sein Sterben. Noch einmal wirft Sokrates im Kreise seiner Freunde eine letzte Frage auf: Wie verhält sich der wahre Philosoph zum Sterben?
„Diejenigen nämlich, die sich auf rechte Art mit der Philosophie befassen, streben wohl nach gar nichts anderem, als zu sterben und tot zu sein; die anderen freilich merken das gar nicht.“
Der Dialog behandelt das Verhältnis von Leib und Seele, die Beweise für die Unsterblichkeit der Seele sowie die Begründung der Ideenlehre.

Das „Symposion“ („Gastmahl“) handelt von der Erotik. Sokrates berichtet über die sinnliche Liebe. Diotima, die Seherin aus Mantineia, habe ihn über das wahre Wesen des Eros belehrt: die Sehnsucht nach dem Schönen. Wer nach dem Schönen strebt, will es für immer besitzen; so trachtet der Liebende nach Dauer und Unsterblichkeit. Der Dialog enthält Lobreden auf den Eros und beschreibt die Vollendung des guten Lebens in der Schau des Schönen. Das Gute wirkt auf uns anziehend; es erscheint als gut und nicht als Pflicht.

Phaidros: Behandelt den wahren Eros und die Kunst des guten Redens.


Späte Dialoge

Parmenides: Diskutiert werden Einwände gegen die Ideenlehre sowie das problematische Verhältnis der Ideen zur Erscheinungswelt, insbesondere das Verhältnis des Einen zum Vielen.

Der „Theaitetos“ behandelt die Erkenntnistheorie und die Frage nach dem Wesen des Wissens. Der Dialog setzt sich mit Heraklit, Protagoras, Antisthenes und Aristipp auseinander.

Die meisten modernen Menschen halten es für selbstverständlich, dass empirische Erkenntnis auf Wahrnehmung beruht oder von ihr abgeleitet ist. Platon jedoch vertritt – wie Philosophen anderer Schulen – eine abweichende Doktrin: Nichts, was aus sinnlicher Wahrnehmung stammt, darf als „Erkenntnis“ bezeichnet werden; wahre Erkenntnis arbeitet ausschließlich mit Begriffen. In diesem Sinne ist „2 + 2 = 4“ echte Erkenntnis, während eine Aussage wie „Der Schnee ist weiß“ so viel Unklares und Unbestimmtes enthält, dass der Philosoph sie nicht in den Bestand der Wahrheiten aufnehmen kann. Der Dialog bemüht sich um eine Definition der Erkenntnis.

Der „Sophistes“ behandelt die Lehre vom Sein (Ontologie).

Der „Politikos“ befasst sich mit der politischen Theorie.

Im „Gorgias“ setzt sich Platon erneut kritisch mit den Sophisten auseinander.

Im „Timaios“ legt Platon seine Naturphilosophie dar und schildert seine Vorstellung von der Weltschöpfung. Der Schöpfer (Demiurg) formt durch die Verbindung der Ideenwelt mit der ungeformten Materie zunächst die Weltseele, die sich über alles wölbt. Aus der auf diese Weise beseelten Urmasse entstehen die vier Elemente, aus denen wiederum die Einzeldinge hervorgehen. Platons Gott erschafft die Welt nicht aus dem Nichts, sondern ordnet bereits vorhandenen Stoff neu. Die Welt ist ein sichtbares Wesen in der Gestalt einer Kugel, denn Gleichheit ist besser als Ungleichheit, und nur die Kugel ist überall gleich. Sie bewegt sich in Kreisform, da die Kreisbewegung die vollkommenste Bewegung ist.

Die vier Elemente – Feuer, Luft, Wasser und Erde – stehen in einem stetigen Zahlenverhältnis zueinander. Gott verwendete alle Elemente bei der Weltschöpfung; daher ist die Welt vollkommen und keinem Alterungs- oder Krankheitsprozess unterworfen. Ihre Harmonie beruht auf Proportion und verleiht ihr den Geist der Freundschaft. Zeit und Himmel entstehen gleichzeitig. Gott schuf die Sonne, damit die Lebewesen zählen lernen konnten, denn ohne den Wechsel von Tag und Nacht wären Zahlen kaum denkbar.

Wie die Weltseele erschuf der Demiurg auch die Menschenseelen. Er verlieh dem Leib die Seele und der Seele den Verstand. Jede Seele ist individuell, jede besitzt einen eigenen Stern als Heimat, und es gibt so viele Seelen, wie es Sterne gibt. Nicht der Zufall, sondern die vorausschauende Vernunft eines gütigen Weltbaumeisters verleiht der Welt Harmonie und Schönheit.

Der Mensch besitzt zwei Seelen: eine unsterbliche, die von Gott stammt, und eine sterbliche, die von den Göttern erschaffen wurde. Die sterbliche Seele nimmt gefährliche Eindrücke auf: Lust, Schmerz, Mut und Furcht, Zorn und Hoffnung sowie vernunftlose Empfindung, Wahrnehmung und Begierde. Die unsterbliche Seele hat ihren Sitz im Kopf, die sterbliche in der Brust.

Auch eine besondere Darstellung der Seelenwanderung findet sich hier: Feige oder schlechte Männer werden im nächsten Leben zu Frauen; unwissende und leichtsinnige Menschen zu Vögeln; Menschen ohne Philosophie zu wilden Landtieren; die Unverständigsten zu Fischen. Der Dialog Timaios, der von Cicero ins Lateinische übersetzt wurde, war im Mittelalter der einzige bekannte platonische Dialog und hatte deshalb großen Einfluss.

Wie Platon neben der Ideenwelt auch der sinnlichen Welt, neben dem Wissen auch der Meinung und neben dem Idealstaat auch den weniger guten Staatsformen einen Platz einräumt, erkennt er im Timaios neben Geist und Seele noch etwas Drittes an: die Materie. Der Demiurg ist kein allmächtiger Weltschöpfer; er findet eine ewige Materie vor, mit der er arbeiten muss und die seinem Willen Grenzen setzt.

Die „Nomoi“ (Gesetze) sind Platons letztes Werk. Darin mildert er seine Vorstellung vom idealen Staat und erkennt, dass die Realität nicht mit diesem Ideal vereinbar ist. Er entwickelt eine Mischverfassung und eine Herrschaft der Gesetze. Die Bürger sollen freundlich miteinander verkehren; da Platon jedoch fürchtet, dass Streit um Besitz dieses Ziel gefährdet, warnt er eindringlich vor Reichtum und Wohlstand. Nicht mehr die Philosophen, sondern die Gesetze sollen herrschen. Religiöse Orientierung spielt eine zentrale Rolle:
„Gott ist das Maß aller Dinge.“

Zitate und Textauszüge

Die Philosophen müssen Könige werden oder die Könige Philosophen, sonst wird es kein Ende des Übels geben auf Erden.

So schön auch Erkenntnis und Wahrheit sind, weit schöner noch ist das Gute.

Im Himmel liege die Urbilder bereit, damit jeder, der guten Willens ist, sie sehe und sein eigenes Selbst danach gründe.

Wer das Tiefste gedacht, liebt das Lebendigste.

Wenn der Gerechte auf Erden erscheinen wird, wird er gegeißelt, gefoltert, in Ketten gelegt, an beiden Augen geblendet werden, und schließlich wird man nach allen Martern ihn ans Kreuz schlagen, damit er zur Einsicht kommt, dass es nicht das Richtige ist in dieser Welt, gerecht zu sein, sondern es nur zu scheinen.

Ehe wir anfangen, zu sehen und zu hören und die übrigen Sinneswahrnehmungen zu haben, mussten wir schon eine Kenntnis des an sich Gleichen gewonnen haben, wenn es möglich sein sollte, das Gleiche der Sinnesanschauung auf jenes zu beziehen mit der Einsicht, dass alles danach strebt, jenem gleich zu sein, ihm aber doch nicht gleichkommt.

Wenn ich ein Bild meines Freundes sehe, erinnert es mich an meinen Freund, indem es mich veranlasst, das von ihm aktuell zu denken, was ich potentiell immer schon von ihm weiß.

Es gibt noch Größeres als den Menschen.

Alles Sinnliche will sein wie die Idee.

Solange wir mit dem Körper behaftet sind und unsere Seele mit diesem Übel verwachsen ist, werden wir niemals im vollen Maß erreichen, wonach wir streben, die Wahrheit. Denn tausenderlei Unruhe verursacht uns der Körper schon durch die notwendige Sorge für die Ernährung, ferner erfüllt er uns mit allerlei Liebesverlangen, mit Begierden und Ängsten und allerhand Einbildungen und vielerlei Tand. Kurz, er versetzt uns in einen Zustand, in dem man sozusagen gar nicht recht zur Besinnung kommt. Denn auch Kriege, Aufruhr und Schlachten sind eine Folge des Körpers und seiner Begierden. Denn um den Erwerb von Hab und Gut handelt es sich bei der Entstehung aller Kriege. Hab und Gut aber sehen wir uns gezwungen zu erwerben um des Körpers willen, dessen Ansprüche befriedigt sein wollen.

Gott ist schuldlos.

Denn der Leib macht uns tausenderlei zu schaffen wegen der notwendigen Nahrung; dann auch, wenn uns Krankheiten zustoßen, verhindern uns diese, das Wahre zu erjagen, und auch mit Gelüsten und Begierden, Furcht und mancherlei Schattenbildern und vielen Kindereien erfüllt er uns; so dass recht in Wahrheit, wie man auch zu sagen pflegt, wir um seinetwillen nicht einmal dazu kommen, auch nur irgend etwas richtig einzusehen. Denn außer Kriegen und Unruhen und Schlachten erregt uns nichts anderes als der Leib und seine Begierden: denn über den Besitz von Geld und Gut entstehen alle Kriege, und dieses müssen wir haben des Leibes wegen, weil wir seiner Pflege dienstbar sind, und daher fehlt es uns an Muße, der Weisheit nachzutrachten um aller dieser Dinge willen wegen alles dessen. Und endlich noch, wenn er uns auch einmal Muße lässt und wir uns anschicken, etwas zu untersuchen, so fällt er uns wieder bei den Untersuchungen selbst beschwerlich, macht uns Unruhe und Störung und verwirrt uns, dass wir seinetwegen nicht das Wahre sehen können. Sondern es ist uns wirklich ganz klar, dass, wenn wir je etwas rein erkennen wollen, wir uns von ihm losmachen und mit der Seele die Dinge selbst schauen müssen. Und dann erst werden wir offenbar haben, was wir begehren und wessen Liebhaber wir zu sein behaupten, die Weisheit, wenn wir tot sein werden, wie die Rede uns andeutet, solange wir leben aber nicht. Denn wenn es nicht möglich ist, mit dem Leibe irgend etwas rein zu erkennen, so können wir nur eines von beidem: entweder niemals zum Verständnis gelangen oder erst nach dem Tode.

Und so rein der Torheit des Leibes entledigt, werden wir wahrscheinlich mit eben solchen zusammen sein und durch uns selbst alles Ungetrübte erkennen, und dies ist eben wohl das Wahre. Dem Nichtreinen aber mag Reines zu berühren wohn nicht vergönnt sein… Und wird nicht das eben die Reinigung sein, dass man die Seele möglichst vom Leibe absondere? Heißt aber dies nicht Tod: Erlösung und Absonderung der Seele von dem Leibe? … Und sie zu lösen streben immer am meisten nur allein die wahrhaft Philosophierenden.

Die einzige rechte Münze, gegen die man alles vertauschen muss, ist die Vernünftigkeit.

Und so mögen diejenigen, welche uns die Weihen angeordnet haben, gar nicht schlechte Leute sein, sondern schon seit langer Zeit uns andeuten, wenn einer ungeweiht und ungeheiligt in der Unterwelt anlangt, dass der in den Schlamm zu liegen kommt, der Gereinigte aber und Geweihte, wenn er dort angelangt ist, bei den Göttern wohnt. Denn, sagen die, welche mit den Weihen zu tun haben, Thyrsosträger sind viele, doch echte Begeisterte wenig. Diese aber sind, nach meiner Meinung, keine anderen, als die sich auf rechte Weise der Weisheit beflissen haben.

(Aus dem 7. Brief)

Für jedes Seiende gibt es dreierlei, wodurch sich seine Erkenntnisse notwendig vermitteln muss, ein viertes ist die Erkenntnis selbst, als fünftes muss man die Sache selber ansetzen, das was erkennbar und in Wahrheit seiend ist. Wir haben also:

  1. Name
  2. Begriffserklärung
  3. Bild
  4. Erkenntnis.

…. Deshalb also wird jeder ernst zu nehmende Mann über ernst zu nehmende Dinge ganz bestimmt niemals etwas schreiben und es so den Leuten bloß zu ihrer Rechthaberei und Verwirrung preisgeben.

(Aus Phaidon)

Wenn die Seele unsterblich ist, dann bedarf es der Sorge um sie nicht für die kurze Zeit, die wir das Leben nennen, sondern für die ganze Zeit; und die Gefahr, das ist schon jetzt klar, ist eine ganz furchtbare, wenn einer sich um seine Seele nicht kümmert. ….Nichts anderes nämlich hat die Seele an sich, wenn sie in den Hades kommt, als ihre eigene Bildung und Erziehung.

Deswegen darf aber auch jeder für seine eigene Seele zuversichtlich sein, der im Leben die rein körperlichen Freuden und den äußerlichen Schmuck als etwas Fremdes vermieden hat, weil es das Übel nur schlimmer mache, dagegen sich um Erkenntnis bemüht und seine Seele nicht mit einem fremden Schmucke, sondern dem ihr eigenen geschmückt hat, nämlich mit Besonnenheit und Rechtlichkeit, Tapferkeit, Freiheitlichkeit und Wahrhaftigkeit, und so der Fahrt in den Hades entgegenblickt.

Was aber trägst Du den hier Versammelten und mir im Besonderen für die Kinder auf?

Was ich immer sage: nichts Neues: Das Ihr für Euch selbst sorgen solltet.

…das waren seine letzten Worte (von Sokrates): O Kriton, dem Asklepios sind wir einen Hahn schuldig. Den müsst Ihr opfern, vergesst das nicht.

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